Ruta de los siete lagos

Wir befinden uns auf der 7-Seen-Route, im südlichen Teil Argentiniens, zwischen stillen Seen, verschneiten Vulkanen, uralten Wäldern und unberührten Nationalparks.

Bewusst haben wir uns für die einsamere Ruta 63 entschieden, vorbei am Lago Melquina bis zum wunderschön gelegenen Lago Filo Hua Hum. Wir bleiben ein paar Tage an diesem schönen Gletscher- Bergsee, eingerahmt in einer einzigartigen Bergkulisse. Da die Jagdsaison begonnen hat, meint der Campingplatzwart: „Ihr könnt nur bis zum Ende des Sees wandern, weiter ist verboten, damit ihr nicht in die Schusslinie der Jäger kommt.“

Wie überall auf der Welt, können Jäger einen Hirsch leider nicht von einem Touristen unterscheiden.

Da wir nicht als Trophäe an der Wand einer Jagdhütte enden wollen, halten wir uns an den Rat des Campingbesitzers.

Dass noch nicht alle Hirsche in der Gegend geschossen wurden hören wir deutlich in der Nacht. Es ist Brunftzeit und die Hirsche röhren bis spät abends um das schönste Weibchen im Wald. Hier ist das angesagte Programm nicht, wer wird Musikstar, sondern wer wird Brunftstar.

Am nächsten Tag führt uns die Strasse weiter Richtung Paso Cordoba, doch zuvor hüpfen wir noch in eines der vielen Wasserlöcher am glasklaren Rio Caleufu. Hier haben sich im Laufe der Jahre natürliche Becken mit türkisfarbenem Wasser gebildet.

 

Los Arrayanes

Dieser kleine Nationalpark befindet sich am Lago Nahuel Huapi beim Städtchen Villa la Angostura.

Hier wandern wir auf der kleinen Halbinsel durch dichte, mit einer goldenen Rinde ausgestatteten Arrayane Wälder. Dieser wurde geschaffen, um die einzigartigen Myrtenwälder zu schützen. Im Anschluss an die anstrengende Wanderung stärken wir uns in einem der zahllosen Cafés in der Innenstadt mit einem feinen Kuchen, ein Pflichtprogramm jedes ehemaligen Konditors.

Ein fischreiches Ostermenü

Wir sind gerade in der Nähe von Bariloche, der Schoggi-Hauptstadt von Argentinien, da werden wir beim Einkaufen in einer Panaderia von einem Mann auf Deutsch angesprochen:„Kann ich euch helfen oder sucht ihr etwas?“

Es handelt sich dabei um Hans und Margarita, welche ein Haus mit einer Cabania für Touristen direkt am See in Bariloche besitzen.

Sie sind auf dem Weg zum Fliegenfischen an einem ihrer Lieblingsflüsse und fragen, ob wir sie begleiten möchten. Natürlich möchten wir und kurze Zeit später, nach ein paar Flussdurchquerungen, sind wir an einem bezaubernden Flüsschen, dem Rio Pichileufu. Zuerst verzehren wir ein gemeinsames Picknick, bevor es zum fischen geht. Hans und ich fischen je zwei Prachtexemplare von Regenbogenforellen, die es bei uns am nächsten Tag zu Ostern gibt.

Bei den Seelöwen

Beim Muschelstrand von San Antonio Este treffen wir uns mit unseren Reisefreunden Silvia und Richard. Seit langem ist es wieder einmal regnerisch und windig, sodass wir uns drinnen für den obligatorischen Willkommens-Apéro treffen. Das muss doch gefeiert werden, sahen wir uns das letzte Mal ganz im Norden von Argentinien, in Tucuman.

Am nächsten Morgen fahren wir zusammen auf der guten Naturpiste Nummer 1 zum Natur-Reservat „Punta Bermeja. Hier leben das ganze Jahr über 2000 bis 8000 Seelöwen, eine der weltweit grössten Kolonie.

Bevor wir sie sehen riechen wir sie schon von weitem. Auf verschiedenen Aussichtsplattformen hat man einen guten Überblick zu den unter uns liegenden Tieren. Die Männchen tragen eine Mähne wie Löwen, sind durchschnittlich 3 m lang und wiegen 350 kg. Jedes Männchen hat ein Harem von etwa 10 Weibchen, welche gut 2 m lang sind und etwa die Hälfte wiegen.

 

Bei der Felsenpapagei – Kolonie

Eine Stunde nach der Seelöwen-Kolonie erreichen wir den Ferienort „Balenario el Condor“. Dieser befindet sich an der langgezogenen Playa del Faro, einem feinen Sandstrand, der am Ende in eine senkrecht aufragende Felswand übergeht. Hier lebt die weltweit grösste Kolonie aller Papageienvögel, mit mehr als 35’000 Paaren, sagen auf jeden Fall die Ornithologen, die sie gezählt haben.

Obwohl sie in unserem Reiseführer in einem Nebensatz erwähnt ist, ist diese über 9 km lange Sandstein Klippe unter Südamerika Touristen ziemlich unbekannt.

Noch bevor wir den Ferienort erreicht haben, hören wir das laute Krächzen von hunderten von Papageien. Sie belagern die Küstenstrasse, sitzen am Strassenrand und besiedeln sämtliche Telefon- und Stromleitungen in der Gegend.

 

Es ist bereits Abend, als wir den Ort erreicht haben. Die Steilküste liegt seit längerem im Schatten. Trotzdem ist es ein einmaliges Erlebnis, die abertausenden von Loris zu beobachten, welche ihre Bruthöhlen in die weichen Steilwände aus Sandstein, Kalk und Lehm gegraben haben. Die Brutkammer liegt dabei tief im Fels, manchmal bis zu drei Meter und sie wird jedes Jahr ein bisschen tiefer.

Es ist lustig zu schauen, wie sie meist zu zweit vorne raus gucken und dabei wie auf ihrem Balkon stehen. Felssittiche benutzen kein Nistmaterial, sie legen ihre 2-5 Eier auf den blanken Boden ihrer Höhle.

 

Am nächsten Morgen, kaum zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen am Horizont, gehen wir zu viert erneut auf Fotopirsch. Nun sind die Felsen optimal ausgeleuchtet und es gibt tolle Bilder von den Papageienvögel.

Wie schon am Vorabend kommt es unter lautem Geschrei zu Rangeleien, denn der Platz muss gegen die Konkurrenz verteidigt werden. Der Nachbar guckt irritiert, auch mal etwas belustigt dem bunten Treiben zu. Es ist wie im echten Leben.

 

Uruguay hat uns wieder

Buenos Aires umfahren wir grosszügig. Wir haben die Metropole mit seinen 13 Millionen Einwohner vor ein paar Jahren schon einmal besucht. Natürlich, es gäbe da ein paar Sehenswürdigkeiten wie den Friedhof La Recoleta, das Teatro Colon, den Plaza de Mayo oder eine Tango Show, doch das Verkehrsgetümmel und die momentane Sicherheitslage hält uns fern. Zudem lesen wir in den Zeitungen, das gegenwärtig eine extreme Mückenplage die Grossstadt heimsucht. Moskito-Sprays sind ausverkauft oder man bestellt sie zum 10 fachen des normalen Preises im Internet. Einen Vorgeschmack erhalten wir bereits in den Vorstädten. Kaum sind wir ausserhalb des Fahrzeuges werden wir regelrecht von Heerscharen von Moskitos überfallen. „So was haben wir noch nie erlebt“, sagen uns die Einheimischen.

 

Ein Grund mehr, etwas mehr aufs Gaspedal zu drücken und die Grenze nach Uruguay in Frey Bentos anzusteuern. Erstaunlich schnell sind die Grenzformalitäten erledigt und 20 Minuten später befinden wir uns bereits auf uruguayischem Boden. Doch wer denkt, die Plagegeister lassen sich von Grenzen abhalten, der irrt sich gewaltig. Wir brauchen noch 2 weitere Tage bevor wir das Sumpfgebiet rund um den Rio Parana und den Rio Uruguay verlassen haben. Erst dann wird es besser und wir können entspannt draussen vor dem Suri einen Café geniessen.

 

Bei Roger, dem Deutschen Auswanderer

Als wir irgendwo mitten im nirgendwo anhalten, um bei einem Container unseren Abfall zu entsorgen, spricht uns jemand an: „Grüezi, ich bin zwar nicht Schweizer, bin jedoch an der Grenze bei Konstanz aufgewachsen. Ich wohne nicht unweit von hier. Fahrt mir einfach nach und dann seht ihr, wo ich lebe.“

Es handelt sich dabei um Roger, welcher vor 10 Jahren Deutschland den Rücken gekehrt hat und nun mitten in Uruguay seine neue Heimat gefunden hat. Wir folgen Roger über eine Sand- und Matchpiste bis zu seinem Grundstück in den hügeligen Gebieten von Central-Uruguay. Fast ganz alleine hat er seine zwei Häuser gebaut. Als Grundmaterial diente ihm dabei Holz und Lehm, mit welchem er die Wände und Fassaden tapeziert hat. Hier lebt er alleine mit Hund und Katze und es scheint, als hätte er sein kleines Paradies gefunden. „Wisst ihr“, sagt er uns voller überzeugter Zufriedenheit, „hier an diesem Fluss, unter dem Blätterdach der uralten Bäume, habe ich mein „Open-Air-Büro“ eingerichtet. 3 Jahre habe ich in freier Natur an meinem Fantasie-Roman gearbeitet und nun, erst kürzlich ist er fertiggestellt worden. Als nächstes suche ich nur noch einen Verlag, der mein Werk veröffentlicht, denn von irgendwo sollte langsam etwas Geld reinkommen.“

Im Laufe des Tages wandern wir sein grosses Grundstück ab, er zeigt uns seine gepflanzten Bäume und klärt uns über die Gefahren der hiesigen Schlangen und Wildschweine auf.

Früher hatte ich panische Angst vor Moskitos. Ich bekam Schwellungen und es juckte am ganzen Körper. So beschloss ich, mich der Angst zu stellen und legte mich splitterfasernackt vor mein Haus. Ich wurde total zerstochen, aber danach machten mir die Stiche nichts mehr aus. Meine Angst und die Schwellung nach dem Stich war wie weggeblasen.“

Eine spezielle Geschichte, ob das wohl bei allen hilft? Es wäre sicherlich einen Versuch wert.

Mit Sicherheit fühlt sich Roger hier zu Hause und möchte nicht mehr zurück in das beengte Deutschland. Für uns, die wie er die Einsamkeit lieben, wäre es ein bisschen zu viel der Abgeschiedenheit. Auf jeden Fall wünschen wir ihm alles Gute und dass sein Buch ein Bestseller mögen wird.

 

 

 

 

 

 

Santa Teresa Nationalpark

Nur wenige Besucher verschlägt es an diesem windigen und nassen Herbsttag in den Santa Teresa Nationalpark nicht weit von der brasilianischen Grenze entfernt. Heute hätten wir den 50 km langen Strandabschnitt ganz für uns alleine, doch wer will an diesem garstigen Tag einen Strandspaziergang machen? Höchstens einige Pinguine und Seelöwen hinter dem dichten Nebelschleier der tosenden Brandung.

Wir schlendern ein bisschen durch den Park, besuchen die alte Festung Fortaleza de Santa Teresa und amüsieren uns prächtig an den vorbeiziehenden Wildschweinen, Hasen, Schildkröten und Capybaras, ein Wasserschwein aus der Familie der Meerschweinchen. Sie alle fühlen sich in diesem 3000 Hektar grossen Park pudelwohl und haben ihre Scheu vor Menschen so ziemlich verloren.

Schlussspurt

Schrittweise neigt sich unser 6-monatiger Aufenthalt in Südamerika dem Ende entgegen. Das gilt aber nur für uns und nicht etwa für unser treues Fahrzeug, das uns in der Zwischenzeit über mehr als 340’000 km fast um die ganze Welt gebracht hat. Dieses werden wir wie schon letztes Jahr bei Rolf in Nueva Helvetia einstellen und wenn alles klappt bei den Fernweh geplagten Reisenomaden, nächsten November zu neuem Leben erwecken. Wohin es geht steht noch nicht abschliessend fest. Stand der Dinge verschiffen wir wahrscheinlich von Chile nach Mexiko.

Der nächste Reisebericht erhält ihr demzufolge im kommenden November erneut aus Südamerika.

Nun bedanken wir uns bei euch allen für die vielen, tollen Rückmeldungen und freuen uns, den einen oder andern bei uns in der schönen Schweiz zu treffen. Bis dahin wünschen wir euch eine gute Zeit, bleibt gesund und setzt eure Träume so bald als möglich um.

Eure Reisenomaden

 

Ruth und Walter